Sumud

Freiwillige Arbeit und Widerstand

Sumud wurde vor kurzem in Italien gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, unterdrückte Völker in vielen Teilen der Welt konkret durch freiwillige Arbeit zu unterstützen. Die Auseinandersetzung mit deren Situation sowie deren politischen Bewegungen ist Bestandteil davon.

Wir haben ihnen nichts beizubringen. Eine wirtschaftliche Katastrophe trifft den reichen Westen und sie wird unsere Lebensweise zwangsläufig verändern. Es war höchste Zeit, denn wir haben diesen Überfluss ohnehin schon satt.

Nicht die Religion, sondern das Geld ist das stärkste Opium für das Volk. Der teuflische Mechanismus materiellen Wachstums musste für die Menschen ein Ende nehmen, um zu verstehen, in was für einem wahnsinnigen System von Zwängen sie stecken geblieben sind. Doch es lauern auch große Gefahren:

Die Angst abzustürzen kann die boshaftesten Gefühle, die menschliche Wesen in sich tragen, nähren. Der heraufziehende Polizeistaat ist nicht einfach eine teuflische Maschinerie, die außerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge steht und gegen die Bevölkerung gerichtet ist; sie schleicht sich auch in die Gehirne der "Staatsbürger" ein, die inzwischen in Konsumsubjekte verwandelt wurden, was sie veranlasst, sich in ihre trostlose Einsamkeit zurückzuziehen und lautstark nach "Sicherheit" zu verlangen. Um nicht ganz an das unterste Ende der Pyramide abzurutschen, sind sie bereit, einen neuen fremden Feind zu akzeptieren: den islamischen Widerstand.

Dieses düstere und chauvinistische Verlangen ist dabei, die Mythen von Freiheit und Toleranz zu zerstören, auf denen der Westen seine Überlegenheit zu gründen glaubt. Deshalb ist der Widerstand, der bislang von den Völkern ausging, die von imperialistischen Kriegen befallen und gequält wurden, nicht mehr nur ihre Sache. Jetzt, da die „Erste Welt“ in Brüche geht, müssen wir von jenen lernen, die stets dazu verurteilt waren, der Not mit allen Mitteln zu begegnen, während sie gleichzeitig die Fackel ihrer Würde lodern ließen.

Wir haben Sumud nicht deshalb gegründet, um vor dem Westen davonzulaufen, vielmehr um besser in der Lage zu sein, für eine Zukunft der Brüderlichkeit und Solidarität zu kämpfen. Wir wollen nicht unser Gewissen betäuben, indem wir uns an den üblichen Ritualen beteiligen. Wir wollen die Politik der positiven Fakten und der inspirierenden Beispiele erleben. Wir wollen uns ändern, denn es ist unmöglich, die Welt zu verändern, ohne die Menschen zu ändern, die in ihr leben.
Für uns bedeutet antiimperialistische Freiwilligenarbeit, unsere Körper zu der Hölle hinzubewegen, wohin es die Verdammten verschlagen hat, um ihren Durst nach Gerechtigkeit zu teilen und um mit ihnen zusammen die Luft der Freiheit zu atmen, die sie überleben ließ. Sumud bedeutet, zu der internationalen Gemeinschaft der Letzten zu gehören, weil die gesamte Menschheit erst dann frei sein wird, wenn sie ihre Ketten zerbrochen haben werden.

Freiwilliger Arbeitseinsatz im Libanon
Das konkrete und ehrgeizige Projekt, das wir allen jenen vorschlagen, die unser Anliegen teilen, besteht darin, im Süden des Libanon an einer Arbeitsbrigade im palästinensischen Flüchtlingslager Ein el-Hilweh teilzunehmen. Es ist ein richtiges Ghetto, in dem die Palästinenser der Diaspora unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. In Ein el-Hilweh leben fast 100.000 Palästinenser seit Generationen in furchtbaren Verhältnissen.

Eines der wichtigsten Anliegen der Brigade ist ganz praktischer Natur: Wir werden daran arbeiten, ein altes Gebäude zu renovieren, in dem sich einmal das Büro der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) befand und das von israelischen Raketen halb zerstört wurde. Ziel unserer Arbeit ist es, das Gebäude in eine Stätte kultureller und politischer Aktivitäten für die Jugend des gesamten Flüchtlingslagers zu verwandeln.

Natürlich konnten wir nicht daran denken, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, ohne die Unterstützung durch die Menschen, die direkt damit zu tun haben: Unser Partner, der Jugendverband von Nashed, in dem sowohl Palästinenser/innen als auch Libanes/innen vertreten sind, wird zum Erfolg des Projekts beitragen.

Infos: www.sumud.org