Solidarität statt Almosen

Aufbauarbeit in einem Flüchtlingslager im Libanon
Von Sumud

Die internationale Organisation SUMUD hat im palästinensischen Flüchtlingslager Ein el-Hilweh ein Zentrum aufgebaut. Ein Beispiel für gelebte Solidarität.

Von Mitte August bis Anfang September führte die antiimperialistische Hilfsorganisation SUMUD einen Volontariats-Einsatz im südlibanesischen Flüchtlingslager Ein el-Hilweh durch. Im Gegensatz zum Vorgehen herkömmlicher Entwicklungshilfeorganisationen und NGOs ging es dabei jedoch nicht darum, auf paternalistische Art und Weise Almosen zu verteilen und die westlichen Werte zu verbreiten, sondern darum, gemeinsam mit den Verlierern dieser imperialistischen Weltordnung für eine Überwindung von Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu kämpfen.

Konkret ging es bei dem Arbeitseinsatz um den Aufbau eines Jugend- und Kulturzentrums im palästinensischen Flüchtlingslager Ein el-Hilweh in der südlibanesischen Stadt Saida – ein Projekt das von den Organisatoren nicht zufällig ausgewählt worden war, machen die Flüchtlinge im Libanon doch eine der am stärksten diskriminierten Gruppen der palästinensischen Diaspora überhaupt aus.

Offiziell leben rund 400.000 registrierte palästinensische Flüchtlinge im Libanon – die tatsächliche Zahl ist wesentlich größer. Die meisten leben in zwölf Flüchtlingslagern. Sie leiden unter Bedingungen, die noch schlimmer sind als die Situation für die Flüchtlinge in vielen anderen Ländern, viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze, und die libanesische Regierung begrenzt ihre Rechte massiv. So ist es zum Beispiel verboten, einer Vielzahl an Berufen nachzugehen, und es ist nicht erlaubt, eigenen Immobilienbesitz zu erwerben. Am schlimmsten steht es um die Bildung junger Palästinenser/innen: Seit den Oslo-Abkommen ist die Hilfe durch die UNRWA (die UN-Einrichtung für die palästinensischen Flüchtlinge) stetig gefallen, es gibt immer weniger Lehrer, die Infrastruktur verfällt und der Universitätsbesuch wird für die meisten Menschen zu einem unerreichbaren Traum.

Das Flüchtlingscamp Ein el-Hilweh liegt nahe Saida und ist das größte Lager im Libanon. Offiziell leben hier 45.000 Flüchtlinge, inoffiziell bis zu 100.000. Die libanesischen Behörden erzwingen eine wirtschaftliche, soziale und politische Blockade um das Lager, verbunden mit einer Politik der Entvölkerung. Die Einwohner leiden zusätzlich unter Konflikten, die von Zeit zu Zeit zwischen verschiedenen politischen und religiösen Gruppen des Lagers entstehen.

Die Jugend des Lagers sieht sich isoliert, kriminalisiert und jeder Zukunft beraubt: Ihre Hoffnung auf eine gerechte Lösung der Flüchtlingsfrage (das Recht auf Rückkehr) schwindet mehr und mehr. Die Bedeutung eines Jugendzentrums, das diesem Zerfallsprozess etwas entgegensetzen kann liegt somit auf der Hand.

Gelebte Solidarität …

Das Gebäude in dem das Zentrum entstehen sollte ist ein ehemaliges Büro der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), das von israelischen Raketen halb zerstört worden war. Die diesjährige Arbeitsbrigade hatte daher vor allem die Aufgabe, das Gebäude zu renovieren, was durch die gute Zusammenarbeit mit der libanesisch-palästinensischen Jugendorganisation Nashet auch weitgehend gelang. Im Laufe der zwei Wochen wurden unter anderem alle Wände neu verputzt und gestrichen, die Elektrik wieder in Stand gebracht, ein neues Badezimmer eingerichtet, sämtliche Türen und Fensterrahmen neu gestrichen sowie eine Überdachung für den Hof errichtet. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten kann die Renovierung somit als abgeschlossen betrachtet werden. Nun geht es darum, die Räume zu möblieren, sodass so bald wie möglich mit dem Unterricht begonnen werden kann. Geplant sind Kurse für Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren, die teils von lokal ausgebildeten Lehrern auf Arabisch und teils von europäischen Freiwilligen auf Englisch gehalten werden sollen. Außerdem sind für die Sommermonate Arabischkurse für europäische Volontäre sowie eine Vielzahl an sozialen und kulturellen Aktivitäten geplant.

… und mehr

Für die 18 Volontäre, die Mitte August aus Italien, Österreich, Deutschland und England in den Libanon kamen war die praktische Arbeit am Gebäude jedoch nur ein Teil ihrer Mission. Ebenso wichtig waren die Treffen mit Vertretern politischer Parteien und anderer Organisationen, um sie der Solidarität der antiimperialistischen Bewegung in Europa zu versichern und von ihnen mehr über die Situation vor Ort zu erfahren. Das Spektrum der Gesprächspartner reichte hierbei von libanesischen Parteien, wie der Volksdemokratischen Partei und der Nasseristischen Volkspartei, über NGOs wie die „Youth Advocacy Policy“, die einen Workshop über die Situation der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon abhielt, bis hin zu den palästinensischen Organisationen PFLP, Fatah, Hamas und Islamischer Dschihad. Ergänzt wurden die politischen Gespräche durch weitere Aktivitäten wie die Teilnahme an einer Gedenkfeier für Abu Ali Mustafa, den ehemaligen Generalsekretär der PFLP, der 2001 von den Zionisten ermordet wurde, und einem Tagesausflug in den von Israel 2006 (erneut) zerstörten Südlibanon.

Mehr Infos: www.sumud.org