Editorial

Von Stefan Hirsch

Die Situation in Afghanistan eskaliert. Die NATO scheint die Kontrolle über einen Teil des Landes verloren zu haben. Ein von deutschen Truppen befohlenes Massaker und der Wahlbetrug des Präsidenten Karsai sind zum Public Relations-Desaster für die Besatzer geworden.

Diese Entwicklung ist keineswegs unbedeutend: Nach dem erzwungenen Kompromiss im Irak, den halben israelischen Niederlangen im Libanon und im Gazastreifen ist der Zusammenbruch der Afghanistan-Strategie ein weiterer Rücksetzer. Neben der Wirtschaftskrise sind es gerade diese politischen Probleme, die das Weltsystem erschüttern. Die unipolare Welt des amerikanischen Imperiums wankt. Schwierig ist nur, dass neben der Krise des Imperiums, auch die Krise echter Opposition andauert. Diesen Problemen folgt die vorliegende Ausgabe der Intifada.

Mohammed Aburous untersucht Obamas Politik im Nahen Osten und beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten des palästinensischen Widerstandes im Gazastreifen sowie mit der Konferenz der Fatah. Wilhelm Langthaler versucht eine Analyse der Situation in der Islamischen Republik Iran und wagt sich an einen Beitrag zur Rekonstruktion einer politischen Alternative und Utopie. Stefan Hirsch und Sebastian Baryli beschäftigen sich mit der Krise Europas und den entstehenden politischen Verwerfungen. Dazu gibt es eine Reihe von Berichten der Solidaritätsbewegung mit dem Widerstand im arabischen Raum, etwa jenen der antiimperialistischen Organisation Sumud, europäischen Aktivistinnen und Aktivisten, die diesen Sommer im Libanon beim Wiederaufbau in einem palästinensischer Flüchtlingslager geholfen haben.

Sumud ist der arabische Begriff für „Standfestigkeit“ und diese brauchen nicht nur die Befreiungsbewegungen, sondern auch eine antagonistische Opposition in Europa. Wir hoffen, mit dieser Ausgabe etwas dazu beizutragen.