Sumud: Standhaftigkeit 2010

Widerstand zum Mitmachen im Libanon und in Indien
Von Wilhelm Langthaler

Freiwillige können mit Sumud eine Zeit lang das Leben mit Menschen teilen, die in anderen Weltregionen Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung leisten.

Sumud ist einzigartig, weil wir uns bewusst von den NGOs abgrenzen, die bei den Menschen im Widerstand berechtigterweise verhasst sind. Denn diese gehören meistens zur „soft power“ der globalen kapitalistischen Herrschaft. Während sie materielle Hilfe bringen, vermitteln sie die „westlichen Werte“ (egal ob christlich oder säkular) und halten vom Widerstand gegen die Unterdrückung ab.

Sumud stellt sich gegen die koloniale Tradition der „zivilisatorischen Mission“. Wir glauben im Gegenteil, dass es der globale Widerstand ist, der die Zivilisation vor der Zerstörung durch Kapitalismus und imperialen Krieg bewahren kann. Wir wollen Botschafter dieses Widerstands in Europa sein, eine Brücke gegen den „Krieg der Kulturen“ errichten. Unser Ziel ist eine internationale und interkulturelle Koalition der Befreiung vom „American way of live“.

Wie es Evo Morales, der von der Volksbewegung getragene Präsident Boliviens, beim Klimagipfel in Kopenhagen ausdrückte: „Die eine Lebensart ist jene des Konsumismus, der Verschwendung, des Egoismus und des Individualismus – eben des Kapitalismus. Die andere ist das gute, glückliche Leben, wo jeder das Notwendige hat und in Solidarität mit den anderen und in Einklang mit der Mutter Erde lebt.“

Palästinenserlager Ein el-Hilwe im Libanon
Sumuds erste Mission fand im Sommer 2009 im größten palästinensischen Flüchtlingslager des Libanon, Ein el-Hilwe, bei Saida statt. Dort vegetieren an die 100.000 Menschen entrechtet, erwerbslos und auf ein winziges Territorium zusammengepfercht unter miserablen Bedingungen dahin.

Gemeinsam mit unseren Freund/innen von Nashet, einer linken libanesisch-palästinensischen Freiwilligengruppe, restaurierten wir ein Jugendzentrum direkt im Flüchtlingslager. Die Mittel dafür wurden im Vorfeld durch eine Spendenkampagne vor allem in Italien aufgetrieben, auch wenn sie nur knapp ausreichten. Nun gilt es den zweiten Schritt zu tun: das Zentrum einzurichten. Und gleich darauf auch den dritten: das Zentrum in Zusammenarbeit mit Nashet und der lokalen Jugend in Betrieb zu nehmen.

Eine italienische Theatergruppe plant einen Kurs für Jugendliche, in dem sie Leid und Widerstand in künstlerischer Form ausdrücken und der Öffentlichkeit präsentieren können. Weiters überlegen wir Kurse und Veranstaltungen von der Vermittlung von beruflichen Fertigkeiten bis hin zum politischen Austausch. Freiwillige sind mit ihren Ideen willkommen.

Entwickelt sich Sumud, so gibt es im Libanon weitere Betätigungsfelder wie beispielsweise im völlig zerstörten Flüchtlingslager Nahr el-Bared oder mit dem Widerstand im Südlibanon.

Indiens Krieg
Seit jeher waren die Ureinwohner Indiens, die Adivasis, unterdrückt, denn sie wurden automatisch der Kaste der Unberührbaren gleichgesetzt. Doch die neoliberale Globalisierung der letzten Jahrzehnte hat ihre Situation schier unerträglich gemacht. Die Regierung verkauft ihren Lebensraum an indische und internationale Großkonzerne, die die reichen Rohstoffvorkommen ausbeuten. Abholzung, Staudammprojekte, Sonderwirtschaftszonen, Umweltzerstörung… Die Adivasis werden massenhaft von ihrem Land vertrieben und ohne Lebensunterhalt dem Hunger preisgegeben.

Dagegen regt sich seit einigen Jahren wachsender Widerstand, der oft von Maoisten organisiert wird. Die Rebellion der Ureinwohner wird von den Großgrundbesitzern, den Hindu-Nationalisten (die die Adivasis auch aufgrund ihrer eigenen uralten Religionen als Sklaven betrachten), Militär und Polizei mit Unterstützung der Konzerne und des Westens mit brutaler Gewalt bekämpft. Die indische und amerikanische Regierung sprechen im Gleichklang von „Terrorbekämpfung“. In der „größten Demokratie der Welt“ wurden Gesetze erlassen, die dafür sorgen, dass man für die politische Unterstützung der Rebellion für Jahre hinter Gitter wandert. Und unsere „freien Medien“ schweigen.

Doch der Kampf der Adivasis kennt auch Erfolge. In einigen extrem armen Regionen gibt es praktisch befreite Gebiete, die Dank der Maoisten von den Adivasis selbst regiert werden. Gestützt auf die eigenen kollektiven Wurzeln werden die Bewässerung organisiert, ökologisch verträgliche neue Agrartechnik und Pflanzen eingeführt, Kleingewerbe entwickelt, Ausbildungs- und Justizwesen gebildet – und mittels Milizen die neue Freiheit gegen Großgrundbesitzer, ihre Banden und den Staat verteidigt. Gleichzeitig fordern sie die Anerkennung ihrer Sprache und teilweise auch eigene, neue Bundesstaaten im Rahmen der indischen Föderation.

Diese Bewegung der Gegenmacht von unten wollen wir miterleben, unterstützen und gegen die Verleumdungen der globalen Eliten verteidigen. Irgendwo am Rande der militärischen Sperrgebiete wollen wir uns nach Vorbild der zapatistischen Bewegung der 1990er Jahre mit unseren beruflichen Fähigkeiten und unserer menschlichen Solidarität an einer Widerstandsgemeinschaft beteiligen und damit auch als Schutz gegen die Übergriffe dienen.

Wir sagen: Wehret den Anfängen! Der Genozid an den Indianern, der den „American way of live“ begründete, darf sich nicht wiederholen.

Wir brauchen und suchen:
Freiwillige mit einem Herz für die Rebellion gegen das ungerechte Weltsystem mit all ihrer Tatkraft und ihrem Initiativgeist;
Spenden, Spenden, Spenden …

Mehr Informationen: www.sumud.org