SUMUD kehrt zurück

Solidarität ist kreativ, konstruktiv und politisch
Von Mohammad Aburous

Im August 2009 besuchte eine internationale Jugendbrigade das palästinensische Flüchtlingslager Ein El-Hilweh. Im Sommer 2010 wird die Solidaritätsarbeit fortgesetzt.

Der Einsatz vor einem Jahr war Teil des gemeinsamen Projektes der europäischen Freiwilligenorganisation SUMUD (arabisch für „Standhaftigkeit“) mit der palästinensisch-libanesischen Organisation Nashet. Junge Palästinenser/innen und Europäer/innen renovierten gemeinsam ein Gebäude, das im Zuge der aufeinanderfolgenden Belagerungen und Bombardierungen des Lagers zerstört worden war. Das wiederhergestellte Gebäude wurde ein vielseitig nutzbares soziales Zentrum, ein Ort des Austauschs, des Erinnerns und des zivilen Engagements, ein Treffpunkt für die Jugend im palästinensischen Flüchtlingslager: Das Kulturzentrum trägt nun den Namen SUMUD.

In diesem Jahr beginnt die zweite Phase: Eine neue Gruppe Freiwilliger wird das Lager besuchen. Mit Hilfe von Spenden sollen weitere Restaurationsarbeiten und die Möblierung des Hauses in Angriff genommen werden. Das Ziel ist aber noch höher gesteckt: Neben der Freiwilligenarbeit im Gebäude wird es einen Film-Workshop für palästinensische und libanesische Jugendliche sowie die internationalen Freiwilligen geben, die eine Videodokumentation über das Lager und das Projekt drehen werden.

Das Zentrum wird mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet, um ein kleines, effizientes Medienzentrum zu werden, das es der palästinensischen Jugend im Lager erlaubt, einen Weg zur Kommunikation mit der Außenwelt zu finden. Die Jugendlichen wollen über ihr alltägliches Leid, ihre sozialen und politischen Forderungen wie auch ihre Verbundenheit mit dem Recht auf Rückkehr nach Palästina und dem Führen eines würdevollen Lebens zu berichten.

Eine Delegation von internationalen Freiwilligen wird die gesammelten Spenden nutzen, um im zweiten Schritt die Einrichtung und Ausstattung des SUMUD-Kulturzentrums in Ein El-Hilweh zu vervollständigen. Zusätzlich werden Videokameras und Computer für das Zentrum gekauft: Sie dienen als Trainingsmittel während der zweiwöchigen Anwesenheit der Freiwilligen und werden anschließend dem Zentrum für die weitere redaktionelle Tätigkeit überlassen.

Video-Workshop „Wir wollen leben!“

In den beiden Wochen werden zwei Gruppen von jungen Libanes/innen und Palästinenser/innen die Möglichkeit haben, das Erstellen von kurzen Filmen über ihren Alltag in und um das Lager herum zu erlernen. Die Getthoisierung des Lagers soll durchbrochen werden. Gleichzeitig haben die Jugendlichen die Chance, ihren Horizont zu erweitern – und die libanesische Jugend in der Stadt Sidon über das Leben im wenige Kilometer entfernten Lager zu informieren.

Außerdem wird es ein Training für die internationalen Teilnehmer/innen geben. Ihr Ziel wird es sein, eine Dokumentation über das Projekt zu produzieren. Die Trainerin ist Arab Lotfi, eine bekannte libanesische Filmregisseurin und politische Aktivistin. Sie hat mehrere politische und kulturelle Videodokumentationen über den Widerstand und das kulturelle Leben in Palästina, im Libanon und anderen arabischen Ländern gedreht. Ihr Film „A Short Visit“ (1999) ist eine Dokumentation über den Lebensalltag in Ein el-Hilweh und das Naji Ali Jugendzentrum.

Die Video Workshops:
> Der Workshop dauert mindestens eine Woche, die Teilnehmeranzahl sollte nicht über 15 Personen liegen: Bei mehr Teilnehmern wird es zwei Workshops geben. Der Workshop wird im SUMUD-Zentrum in Ein El-Hilweh und im Zentrum für Kultur und Literatur in Sidon mit Teilnehmern von beiden Zentren statt finden.

>Für die arabische Jugend wird der Workshop auf Arabisch gehalten, für die internationalen Teilnehmer gibt es eine Arabisch-Englische Übersetzung, während der Workshop für die internationalen Teilnehmer auf Englisch sein wird. In wenigen Tagen werden die Teilnehmer Wege zur Ideenfindung für Kurzfilme finden, wie die Ideen in kurze Sequenzen umgewandelt werden und mit welchen Techniken die Kamera eingesetzt werden kann. Die Kurzvideos werden in der Workshopzeit fertig gestellt werden.

>Am letzten Tag werden die Ein-Minuten-Filme im Zentrum in Ein El-Hilweh während der Abschlussveranstaltung 2010 gezeigt. Die Dokumentation der internationalen Teilnehmer sollte die Schlusszeremonie enthalten und wird anschließend im Zentrum produziert und gezeigt. In Europa wird der Film im Rahmen von Solidaritätsveranstaltungen zu sehen sein.

Einrichtung des SUMUD-Zentrums

Dieser Teil des Projekts setzt das Projekt 2009 fort und hat die Ausstattung des Gebäudes, in dem das kulturelle Zentrum im letzten Jahr von der Brigade eingerichtet wurde, zum Ziel. Internationale Freiwillige und Nashet-Aktivisten werden die Aufgabe haben, die gekauften und gespendeten Möbel in Stand zu setzen. Dabei werden Fachleute vor Ort helfen, das Projekt zu entwickeln und unter technischen Aspekten anzuleiten, um zu klären: Welche Möbel sind am nötigsten, welche werden selbst hergestellt und wo werden sie im Zentrum eingesetzt; welche Aspekte der Handarbeit können von den Freiwilligen während ihres Aufenthalts bewältigt werden, auch unter dem Aspekt, dass sie vermutlich keine Erfahrung haben, und mit besonderer Beachtung der Sicherheit der Arbeiter. An den Vormittagen während des Aufenthaltes soll gearbeitet werden, einige für Exkursionen reservierte Tage ausgenommen.

Wir wollen auch ein Computernetzwerk einrichten und einen Multimedia-Raum ermöglichen: Eines der Ziele des Jugendzentrums ist die Verbindung mit der Welt, um die Wahrheit über das Leid von Millionen palästinensischer Flüchtlinge zu zeigen und zu erklären, was ihnen das unantastbare Recht auf Rückkehr nach Palästina gibt. Um das Netzwerk einzurichten sollten zusätzlich zu einem guten Arbeitsplatz Computer, von unseren Spenden gekauft, einige ungebrauchte Computer (mindestens drei oder vier) von Personen oder Institutionen gesammelt werden um als Terminal genutzt zu werden.

Alternativ können kaputte Rechner und funktionierende Einzelteile von einigen Freiwilligen mitgebracht und eingesetzt werden. Aufgrund der hohen Transportkosten sollten der Kauf und das Sammeln im Libanon stattfinden.

Soziales und politisches Programm

Neben dem Videoworkshop und der Freiwilligenarbeit im Gebäude sind politische Solidaritätsarbeit und soziale Aktivitäten wesentliche Bestandteile des Sumud-Einsatzes 2010.

Die Teilnehmer werden die libanesische und palästinensische politische Realität vor Ort kennenlernen. Der Besuch symbolischer Orte und Treffen mit prominenten Repräsentanten von politischen Parteien sind vorgesehen:

> Sabra-Shatila-Lager: Shatila ist das größte palästinensische Flüchtlingslager nahe Beirut und ein wichtiger Ort des palästinensischen Widerstands. Das Lager ist durch die Massaker nach der israelischen Invasion in den Libanon 1982 bekannt geworden, als über 3000 Menschen von faschistischen christlichen Milizen und der israelischen Armee ermordet wurden.

> Das Lager umfasst auch den Friedhof der palästinensischen Märtyrer, der einzige nicht-konfessionelle Friedhof in der arabischen Welt, auf dem politisch aktive muslimische, christliche und jüdische Märtyrer begraben sind.

> Sidon, Tyrus und Südlibanon: Die zwei größeren Städte im Südlibanon, Sidon und Tyrus, werden besucht. Neben Stadttouren wird eine Exkursion in die südliche Grenzzone organisiert, in der die wichtigsten Kampfplätze des Krieges von 2006 liegen.

> Flüchtlingslager Nahr El-Bared, das vollständig von der libanesischen Armee zerstört wurde.

Während ihrer Anwesenheit werden die internationalen Freiwilligen folgende Aktivisten treffen: Repräsentanten von politischen Fraktionen im Lager; Repräsentanten von palästinensischen und libanesischen Widerstandsorganisationen und der Zivilgesellschaft im Südlibanon; lokale libanesische Autoritäten; Repräsentanten der libanesischen Presse während einer Pressekonferenz.

Wir brauchen ein paar Euros mehr

Der Wiederaufbau des Gebäudes, das als politisches und kulturelles Zentrum genutzt wird und offen für alle jungen Menschen im Lager sein soll, kostet (zusätzlich zu den fast drei Wochen Arbeit von rund zwanzig Freiwilligen, die ihre Reise, Unterbringung und Ausgaben selbst tragen) 10.000 €, auch das Mobiliar und die Ausstattung des renovierten Gebäudes sind teuer.

SUMUD ist keine NGO und wird von keiner Regierung subventioniert, auch nicht von der Europäischen Union oder der UNO. Das Geld, das wir für dieses Projekt nutzen, ist sauber, es soll nicht von denselben Institutionen kommen, welche die Aggression gegen das palästinensische Volk unterstützen oder mittragen.
Wir haben bereits viel erreicht, aber wir können die benötigte Summe, um das Zentrum einsatzfähig zu machen, nur durch die Unterstützung vieler Menschen erreichen.

Wer spenden will und für weitere Informationen: www.sumud.org