Die Welt nach Mavi Marmara

Von Margarethe Berger

Wie kaum ein Ereignis zuvor hat der Angriff der israelischen Armee auf die Gaza-Freiheitsflottille am 31. Mai den Charakter des israelischen Regimes entblößt. Während weltweit Israels Herrenmenschen-Gehabe verurteilt wurde, schafften es Medien und Regierungen in den deutschsprachigen Ländern, den Spieß umzudrehen: Die ermordeten Menschenrechtsaktivisten auf dem türkischen Schiff Mavi Marmara seien terrorverdächtig, Israel habe in Notwehr gehandelt. Die Organisatoren der Proteste seien antisemitische Aufhetzer.

Im deutschsprachigen Raum scheinen die Kräfteverhältnisse im Nahen Osten nach Mavi Marmara unverändert. Der Schein trügt. Allein, dass die Auflösung des strategischen Bündnisses zwischen der Türkei und Israel in der Luft lag, hat die Fragilität der Herrschaftsarchitektur im Nahen Osten sichtbar gemacht.

Jonas Hofer analysiert die wachsende Kraft des Widerstands im Nahen Osten und die zunehmende Ablehnung des Zionismus weltweit. In Palästina gewinnt indes eine tot geglaubte historische Forderung wieder an Leben: die Schaffung eines demokratischen säkularen Staates für alle dort lebenden Menschen, wie Wilhelm Langthaler aus Haifa berichtet. Dieter Reinisch zeigt an der Archäologie den kolonialen Charakter Israels auf. Im Irak und in Afghanistan kommt der US-Imperialismus nicht weiter. Mundher Al-Adhami und Masud Ulfat berichten. Was der Wahlausgang im Sudan für die Zukunft bedeutet, analysiert Mohammad Aburous. Und Arundhati Roy beschreibt die Kämpfe der indischen Adivasi.

In Europa dominiert die Krise, die Stefan Hirsch analysiert und Gernot Bodner als Ausgangspunkt für Überlegungen zu einem neuen Sozialismus nimmt. Farah Abu Shawki mahnt vor der Terrorismusgesetzgebung in Österreich und Costanzo Preve reflektiert über Wilhelm Langthalers Buch zu Möglichkeiten einer weltweiten Befreiungsbewegung.