Die lang ersehnte arabische Revolution

Niemand hätte das, was in den letzten Monaten den Arabischen Raum erschüttert hat, noch wenige Wochen zuvor für möglich gehalten: Massenaufstände, spontan, von unten, säkular, mit demokratischen und sozialen Forderungen und noch dazu erfolgreich. Ganz im Gegenteil, war der Arabische Raum in der Linken vielfach als trauriges, weil hoffnungsloses Terrain angesehen worden, mit geschlagenen und zerstörten linken Organisationen, mit eingeschüchterten und passiven Massen und mit rückgratlosen Kompradoren-Regimen.

In dieses Szenario platzen die Volksaufstände, die in zahlreichen arabischen Ländern im Domino-Effekt die Verhältnisse ins Wanken bringen. Ihre Bedeutung reicht weit über die betroffenen Staaten hinaus. Sie erschüttern nachhaltig die seit Jahren verkrusteten Verhältnisse in dieser geostrategisch zentralen Weltregion. Die Aufstände werden zwar nicht in allen Ländern erfolgreich sein. Dort, wo sie die alten Regime bereits gestürzt haben, zeigt sich, dass ihre Dynamik mit nur kosmetischen Reformen gebremst wurde. Trotzdem ist es unumstößlich, dass im Arabischen Raum und darüber hinaus nichts beim Alten bleiben wird.

Grund genug, die vorliegende Ausgabe der Intifada den arabischen Revolten zu widmen. Wir bringen Berichte zu Ägypten, Libyen, Jordanien und Syrien sowie zwei Analysen, die grundsätzliche Überlegungen zu den Ereignissen anstellen. Darüber hinaus findet sich in dieser Ausgabe ein Nachruf auf den palästinensischen Regisseur Juliano Mer-Khamis, eine Analyse zum Salafismus, ein Interview mit der palästinensischen Aktivistin Maryam Abu Dagga und ein historisches Dokument zur Situation in Palästina 1936. Wir präsentieren außerdem ein Interview zur aktuellen Situation in Venezuela und einen Reisebericht der Solidaritätsorganisation SUMUD aus Indien, wo das nächste Projekt stattfinden soll. An theoretischen Beiträgen bietet diese Ausgabe Überlegungen zum Konzept der Solidarität sowie eine Analyse des Schwarzen September 1970 in Jordanien.