Kairo heute

Zwischen Demos und Pharaonen
Von Margarethe Berger

Der jüngste Reiseführer von Elisabeth Gschaider führt uns in die Stadt am Nil, die, so die Autorin, durch die Revolution vor einem Jahr nur noch besuchenswerter geworden ist.

Schon Gschaiders Band über Bosnien hat interessierte, aber unkundige LeserInnen durch eine sorgfältig ausgewählte und, wie es scheint, liebevoll angeordnete Detailfülle bestochen und dazu angeregt hat, dorthin reisen zu wollen, wo garantiert kein Massentourismus zu finden ist. Eine ähnliche Wirkung erzielt sie mit ihrem neuen Werk über Kairo, das nur schwerlich als Reiseführer bezeichnet werden kann, sondern eher an einen geschliffenen Essay-Band erinnert. Viel zu packend ist der Spannungsbogen, den Gschaider von der Ankunft am Flughafen bis zur Auswahl des richtigen Jazzclubs für das gebührende Begießen des letzten Abends spannt. Dazwischen liegen viele, viele Spaziergänge, auf die Gschaider die LeserInnen mitnimmt und die sie mit der bereits erwähnten Liebe zum Detail ausschmückt. Die verschachtelten Geschichten, die ihr an jeder Ecke Kairos einfallen und von denen eine in die andere übergeht, erinnern fast ein bisschen an die Erzählweise von Tausend und eine Nacht. Ob es um den Besuch eines amerikanischen Schriftstellers in eben jenem Gebäude, an dem sie gerade vorbeischlendert, das Schicksal eines einst staatlichen Textilkaufhauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite oder einen kurzen Ausflug in die Geschichte Ägyptens anlässlich eines Straßennamens geht, Gschaider weiß es, die LeserInnen mit Verweisen und Erzählklammern zu fesseln, und verliert doch nie den roten Faden.

Dieser rote Faden ist eine höchst politische Lesart des heutigen Kairo, das vollkommen im Zeichen des Volksaufstandes vom Januar 2011 steht. Gschaider macht kein Hehl daraus, wie sie den Aufstand interpretiert, sondern gibt ihrer Sympathie für die Bestrebungen der Bevölkerung nach Demokratie und sozialen Verbesserungen unverhohlen Ausdruck. Viele der Schachtel-Geschichten erzählen Details des Aufstandes oder der sozialen Bewegungen davor und danach und Gschaider erweist ihnen damit keinen geringen Dienst: Es gelingt ihr durch ihren essayistischen Stil bei den LeserInnen Verständnis und Sympathie mit den Aufständischen hervorzurufen, ohne aufdringlich zu sein.

Damit hat Gschaider im Grunde ihr Ziel erreicht. Wollte sie doch, wie sie anlässlich einer Buchpräsentation erzählte, mit ihrem Reiseführer das neue demokratische und revolutionäre Ägypten unterstützen. Auslöser dafür war eine Polemik der alten Machthaber, dass die aufständische Bewegung dem Land enormen Schaden zufügen würde, da aufgrund der politischen Turbulenzen die Touristen ausblieben. Um dem etwas entgegen zu setzen, besuchte Gschaider das Land nicht nur mehrmals während der turbulenten Zeit. Sie entschloss sich auch dazu, einen kleinen Beitrag zum Wiedererstarken des Tourismus in Ägypten zu leisten. Ihr Reiseführer macht es klar: Kairo ist in Zeiten der Revolution noch sehenswerter als zuvor.

Elisabeth Gschaider: Kairo heute. Zwischen Demos und Pharaonen. Schweinfurt: Wiesenburg Verlag 2012, ISBN 978-3-942063-94-4.