Palästina

Vor allem aber Gründlichkeit

intifada 34
Beobachtungen aus Palästina
Von Anna Maria Steiner

Der letzte Montag im August wird als bemerkenswerter Tag in meine persönliche Historie eingehen – als aufregend wie lehrreich in gleicher Weise. Denn meine Westbankreisegefährtin und ich durften in der besagten Nacht im Ramadan einige Stunden an einem Checkpoint zusehen und hautnah erleben, wie gründlich Israeli gegen Palästinenser vorgehen, und wie spontan zugleich…

02:25 Uhr: Unser Transport ist, wie befürchtet, pünktlich. Muawya, der Taxiunternehmer in meinem Alter, ist zu früher Stunde gnädig, will uns die nächtliche Fahrt so angenehm wie möglich machen und drückt den Knopf zu seiner Lieblingsmusik. Into My Arms von Nick Cave trägt uns förmlich durchs Dunkel der Nacht, das uns die Häuser, in denen die vom Fastenbrechen erschöpften Bewohner Tulkarms längst zur Ruhe gekommen sind, nur umrisshaft erkennen lässt.

Footnotes in Gaza

intifada 34
Von Tamara Rennein

Anhand seines jüngsten Comics veranschaulicht der Graphic-Novelist Joe Sacco, dass die vermeintlich unscheinbaren Fußnoten der Geschichte die Gegenwart oft maßgeblich mitbestimmen.

Nach seinen bereits 1993 veröffentlichten Einzelcomics und darauf folgenden Graphic-Novels über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien kehrt Joe Sacco mit seinem jüngsten Comic thematisch wieder zurück nach Palästina. Während jedoch Palestine, Saccos erster Nahost-Band, einen umfassenden Überblick zu Entstehung und Fortgang des Konflikts bietet, legt der Comiczeichner in Footnotes in Gaza verstärkt Augenmerk auf die unscheinbaren Begebenheiten im Alltag der in Gaza lebenden palästinensischen Bevölkerung.

„Die palästinensische Einheit ist das Wichtigste“

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Maryam Abu Dagga im Gespräch

Dr. Maryam Abu Dagga ist eine PFLP-Aktivistin aus dem Gazastreifen. Vom israelischen Staat mit 15 Jahren ins Gefängnis geworfen, wurde sie bis nach Bulgarien ins Exil getrieben, wo sie ihr Medizinstudium abschloss. Später gelang ihr die Rückkehr nach Gaza. Ihre derzeitige Arbeit konzentriert sich auf palästinensische weibliche Gefangene. Die Intifada interviewte sie während ihrer Beteiligung am 9. Internationalen Symposium gegen Isolation in Wien am 4.-5. Dezember 2010.

intifada: Welche Eindrücke haben Sie von der europäischen Solidaritätsbewegung?

Maryam Abu Dagga: Die Menschen in Europa haben sich verändert, ihre Meinung zu Palästina hat sich positiv gewandelt. Früher war die israelische Propaganda überwältigend, die Realität wurde der westlichen Öffentlichkeit vorenthalten. Doch im letzten Krieg und im Angriff auf die Mavi Marmara offenbarten der Imperialismus und der Zionismus ihr wahres Gesicht und das hilft meinem Volk.

intifada: Wie sind die Beziehungen der PFLP zur Fatah und Hamas?

Palästina, 1936

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Eine Analyse von historischer Gültigkeit
Von Gabriel Péri

Am 26. Mai 1936, vor genau 75 Jahren, veröffentlichte der französische Journalist Gabriel Péri in „L‘Humanité“, der Tageszeitung der Kommunistischen Partei Frankreichs, eine erkenntnisreiche, aufrichtige und klare Analyse über Palästina. Wir veröffentlichen im Folgenden einige Auszüge.

Seit mehr als einem Monat – um das Datum ab dem 15. April zu nennen – ist Palästina im Zustand der offenen Revolte. Demonstrationen und blutige Auseinandersetzungen vervielfachen sich. In den letzten Tagen haben 36 Personen unter der arabischen, der jüdischen Bevölkerung und der englischen Besatzungseinheit den Tod gefunden. Panzer und mit Waffen voll beladene Fahrzeuge wurden zur Verstärkung nach Palästina verschickt.

Vierzig Jahre Schwarzer September

intifada 33
Die Kinderkrankheiten der palästinensischen Bewegung
Von Ali Nasser

Am 16. September 1970 bewegte der jordanische König Hussein seine Armeeeinheiten in Richtung Amman. Die ersten Granaten fielen auf die palästinensischen Flüchtlingslager und jene Viertel der Hauptstadt, wo palästinensische Fedayin (Partisanen) stationiert waren. Die nächsten zwölf Tage gingen als „Jordanischer Bürgerkrieg“ bzw. als „Schwarzer September“ in die Geschichte ein.

Der Schwarze September endete mit dem Abzug der Fedayin aus Amman. Dies war der Auftakt zur sukzessiven Liquidierung der gesamten palästinensischen militärischen Präsenz in Jordanien, die mit dem Massaker in Ajlun im Juli 1971 endgültig vollzogen wurde. Insgesamt schätzt man zwischen 15 000 und 20 000 Opfer. Die politischen, organisatorischen und identitären Auswirkungen dieser ersten militärischen Niederlage wirken bis heute auf die palästinensische Bewegung nach.

1967: Niederlage und Umbruch

Widerstand, trotz alledem

intifada 32
Zehn Jahren Intifada – eine politische Bilanz des Aufstandes
Von Mohammad Aburous

Am 28. September war der zehnte Jahrestag der Zweiten Intifada. Welche Bilanz kann gezogen werden und an welchem Punkt steht die palästinensische Befreiungsbewegung?

Selbst durch den dünnen Jordan ist seit dem 28. September 2000 viel Wasser hinuntergeflossen. Die palästinensische Intifada kennzeichnete das Ende der Clintonschen Phase des amerikanischen Friedens und den Beginn einer neuen Offensive eines US-Imperialismus, der sich ohne ernst zu nehmenden Gegner auf der Weltkarte sah. Für die Palästinenser/innen bedeutete dies eine neue offene Konfrontation, bei der sie bald nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit standen und somit wehrlos einer zügellosen israelischen Offensive ausgesetzt waren.

Sumud 2010

intifada 32
Ein Aufenthalt in einem Quadratkilometer Widerstand
Von Mohammad Aburous

Zwischen 24. Juli und 5. August 2010 hielt sich die internationale Delegation Sumud im palästinensischen Flüchtlingslager Ein-El-Hilweh im Südlibanon auf.

Im Vergleich mit dem Einsatz von Sumud 2009, bei dem gemeinsam mit der lokalen Organisation „Naschet“ (Aktivist) im Lager ein zerstörtes Haus renoviert und als Kulturzentrum eröffnet wurde, hatte die Delegation dieses Jahr eine vielschichtige Aufgabe.

Widerstand in kleinen Geschichten

intifada 32
Ein Interview mit der libanesischen Filmemacherin Arab Loutfi

Die libanesische Filmemacherin Arab Loutfi über die Lage der Palästinenser/innen im Libanon, die Aufgabe von Film und Erinnerungskultur.

intifada: Sie sind eine in Ägypten lebende libanesische Filmemacherin, die sich mit der Palästina-Frage beschäftigt. Welche Identität ist die Ihre?

Wachsender Widerstand

intifada 31
Die Ablehnung des Zionismus hat weltweit zugenommen
Von Jonas Hofer

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. Die zionistische Führung verhält sich immer rücksichtsloser – zugleich wächst in der arabischen Welt der Widerstand, international die Wut.

Ein kleiner Rückblick: Israel weigert sich Ende 2009, den gründlich recherchierten Goldstone-Bericht anzuerkennen, der Kriegsverbrechen während der „Operation Gegossenes Blei“, der Angriff der israelischen Armee gegen Gaza im Dezember 2008, dokumentiert. Beweise für israelische Kriegsverbrechen bleiben folgenlos. Dann wird bekannt, dass u. a. britische und australische Pässe vom Mossad gefälscht wurden, um in Dubai einen Hamas-Kommandeur zu ermorden. Die schamlos benutzten Staaten weisen Diplomaten aus und vergessen den Vorfall.

Archäologie im Nahost-Konflikt

intifada 31
Identitätsfindung und -erfindung zwischen Wissenschaft und Politik
Von Dieter Reinisch

In kaum einem anderen Land ist die wissenschaftliche Altertumsforschung den politisch-militärischen Expansionsbestrebungen derart untergeordnet wie in Israel.

Die Ausformung des Fachs der wissenschaftlichen Archäologie ging in Europa Hand in Hand mit ihrer Verwendung durch die Politik im 19. Jahrhundert. Wir können zwischen einer nationalen und einer nationalistischen Archäologie unterscheiden. Die nationale Archäologie erforscht ein bestimmtes Land, eine bestimmte Region. Die nationalistische Archäologie hat zusätzlich die politische Intention, die Ergebnisse zum Zwecke des nation-buildings zu verwenden. Im Gegensatz zur nationalen Archäologie geht ihre Arbeit und Intention über die eigentlichen (Staats-)Grenzen hinaus.

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