Ägypten

Niederlage der revolutionären Mehrheit

intifada 35
Kommentar zu den ägyptischen Präsidentschaftswahlen
Von Mohammad Aburous

Der Zeitraum zwischen den zwei Durchgängen der ägyptischen Wahlen im Mai und Juni 2012 war voller Überraschungen, angefangen mit dem Ergebnis der ersten Wahlrunde.

Zwischen den beiden Wahlrunden lösten die Militärs das Parlament auf und schränkten die Kompetenzen des kommenden Präsidenten stark ein, was einem Militärputsch ähnelt. Das lange Zurückhalten der Ergebnisse der Stichwahlen und die jeweiligen Mobilisierungen der Muslimbrüder und der Regimeanhänger deuten auf eine Krise hin, die hinter den Kulissen gelaufen sein muss, bevor die Wahlkommission den Kandidaten der Muslimbrüder Mursi zum Wahlsieger eines inzwischen ausgehöhlten Amtes erklären konnte.

Der erste Wahldurchgang

Sündige Islamisten?

intifada 35
Mohammed Waked über die Situation in Ägypten

Mohammed Waked ist ein führender Aktivist der ägyptischen Tahrir-Linken. Er ist Mitglied der „Revolutionären Sozialisten“ und Vorsitzender der panarabischen „Nationalen Front“, die versucht, die revolutionären Kräfte zu vereinigen. Waked ist Koredakteur von jadaliyya.com („Dialektik“), einer panarabischen Webseite auf Englisch und Arabisch. Das folgende Interview entstand Ende Februar 2012 in Kairo. Obwohl sich die Situation nach den Präsidentschaftswahlen wieder verändert hat, zeichnet das Interview ein gutes Bild der politischen Kräfteverhältnisse in Ägypten.

Nach dem Sturz von Mubarak hat die Muslimbruderschaft einen instabilen Block mit dem Obersten Militärrat (Supreme Council of the Armed Forces, SCAF) gebildet. Was ist der Grund dafür und wird sie ihn erhalten können?

Der Block wird vor allem durch den Einfluss der USA in der Region bestimmt. Wir reden hier nicht von einem Block zwischen Militärrat und Muslimbrüdern, sondern zwischen dem Militärrat, den Muslimbrüdern und den USA.

„Die nächste Revolution wird sozial sein“

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Abdelhalim Qandil im Gespräch

Der Sprecher der linken Bewegung Kifaya über den ägyptischen Volksaufstand vom Januar 2011 und die Perspektiven der Linken.

intifada: Mubarak wurde durch einen Volksaufstand gestürzt. Haben Sie auf diesen Moment gewartet?

Die Salafisten im revolutionären Ägypten

intifada 34
Eine Analyse des islamistischen Lagers
Von Muna El Shorbagi und Essam Fawzi

Wer sind eigentlich die radikalen Islamisten und welche Rolle spielen sie insbesondere in der ägyptischen Demokratiebewegung?

1. Januar: Bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche werden insgesamt 21 Menschen getötet und 79 verletzt. Ägypten ist im Schockzustand. Der Anschlag wird wechselweise Al Qaeda, einer palästinensischen Organisation und ägyptischen Salafisten zugeschrieben.

Der Dschinn ist los

intifada 34

Der ägyptische Autor und Journalist Chalid al-Chamissi über den Anteil ägyptischer Kunstschaffender an der Revolution, die Gefahren religiös motivierter Politik und die neu erlangte Freiheit.

intifada: Herr Chamissi, Sie sind Roman- und Drehbuchautor und Journalist. Welche Rolle spielen Literaten wie Sie in Ägypten vor und nach dem 25. Jänner?

Zwischen Hammer und Amboss

intifada 30
Ägypten vervollständigt die Gaza-Blockade
Von Mohammad Aburous

Der Würgegriff um den belagerten Küstenstreifen wird noch enger: Ägyptens Politik nahm Ende 2009 mit der direkten Blockade von Hilfslieferungen eine qualitative Wende.

Die von Israel verhängte Blockade hat bisher etwa fünfhundert Menschen das Leben gekostet, die in direktem Zusammenhang mit dem Mangel an medizinischer Versorgung starben. Der Gazastreifen liegt großteils noch in Trümmern, weil Israel unter anderem die Zufuhr von Baumaterialien verhindert. Die lebenswichtigsten Materialien erreichen Gaza über Tunnel, die unter der ägyptischen Grenze verlaufen. Nun will Ägypten eine Stahlmauer entlang der Grenzen mit dem Gazastreifen bauen, die tief in den Boden hineinreicht, um die Untertunnelung zu verhindern.

Die inner-palästinensische Versöhnung

Zwischen Machtkampf und Ohnmacht

intifada 26
Zur Situation in Palästina
Von Mohammad Aburous

Der Ausbruch von tausenden Bewohnerinnen und Bewohnern des Gazastreifens Ende Januar 2008 hat die dortige Situation kurzfristig in die Schlagzeilen der westlichen Medien gebracht. Wenige Wochen später scheint die Sache schon wieder vergessen zu sein. Die Bevölkerung im Gazastreifen ist weiterhin eingeschlossen und ihre Lebenssituation hat sich nicht gebessert. Dennoch hat der Ausbruch für die Eingeschlossenen hohen symbolischen Wert. Die Frage ist, ob sich dadurch das politische Kräfteverhältnis verschoben hat.

Der "Waffenstillstand" zwischen der Widerstandsregierung im Gazastreifen und Israel ist das Ergebnis langer indirekter Verhandlungen, bei denen Ägypten eine Schlüsselrolle als Vermittler spielte und auf die Hamas-Führung erheblichen Druck ausübte. Obwohl die Vereinbarung – noch – gültig ist, hat sich am Alltag der Konfrontation nur wenig geändert.

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