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Sarrazins Integrationsdebatte

intifada 32
Die Hetze gegen Muslime erreicht in Deutschland eine neue Stufe
Von Jonas Hofer

Mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ hat der SPD-Politiker die Diskussion um Muslime in Europa angeheizt – mit einer neuen Qualität des Rassismus.

Anfang September ist Thilo Sarrazin, ehemaliger Finanzsenator für Berlin (SPD) und Bundesbankvorstandsmitglied, in aller Munde. Er hat ein Buch geschrieben – „Deutschland schafft sich ab“ – und vertritt darin zusammengefasst die These, dass zugewanderte Muslime integrationsunwillig, dumm und viel zu fortpflanzungsfreudig seien. Da sie „Deutschland auf der Tasche lägen“, müsse man sich endlich härter gegen sie wehren. Seitdem ist das Buch in den Bestsellerlisten auf Platz Eins. Damit hat die Hetze gegen Muslime, diesmal als „Integrationsdebatte“ getarnt, eine neue Qualität bekommen.

Sumud 2010

intifada 32
Ein Aufenthalt in einem Quadratkilometer Widerstand
Von Mohammad Aburous

Zwischen 24. Juli und 5. August 2010 hielt sich die internationale Delegation Sumud im palästinensischen Flüchtlingslager Ein-El-Hilweh im Südlibanon auf.

Im Vergleich mit dem Einsatz von Sumud 2009, bei dem gemeinsam mit der lokalen Organisation „Naschet“ (Aktivist) im Lager ein zerstörtes Haus renoviert und als Kulturzentrum eröffnet wurde, hatte die Delegation dieses Jahr eine vielschichtige Aufgabe.

Relativer Universalismus

intifada 32
Widersprüche und Strukturen der linken Theoriedebatte
Von Albert F. Reiterer

Wir stehen in der Linken vor einem teils politischen, teils epistemologischen Problem. Mit dem Zerfall des Realsozialismus stellt sich die Notwendigkeit eines Neuanfangs.

Wir können nicht ab ovo beginnen. Wir müssen es auch nicht, jedenfalls nicht die, welche sich nicht an das Sowjet-Modell geklammert haben. Doch trotzdem bietet sich uns einerseits die Tradition der Arbei­terbewegung und des Sozialismus als eine Belastung dar. Diese Tradition hat die analytische Begrifflichkeit in einer Weise dogmatisiert und die Denkabläufe in Geleise eingefahren, dass es ganz außerordentlich schwierig ist, die alten Formeln zu vermeiden. Das aber würde inno­vatives Zugehen verhindern.

Konstruktion der mexikanischen Nation

intifada 32
Zweihundert Jahre Kampf um die Interpretation der Unabhängigkeit
Von Oralba Castillo Nájera

Mexiko feiert die Unabhängigkeit von 1810 und die Revolution von 1910. Dies bringt die Debatte über die Nation aufs Tapet, die der Neoliberalismus aus dem kollektiven Gedächtnis löschen will.

1810 und 1910 sind zwei Gründungsmomente der mexikanischen Nation. Gegen ihren Willen war die Regierung gezwungen, der beiden Ereignisse offiziell zu gedenken. Wie werden die Feierlichkeiten begangen? Welche Nation feiern wir heute und welche Nation feiern die Neoliberalen an der Macht?

Ein Verlust für die arabische Kultur

intifada 32
Ein Nachruf auf den algerischen Schriftsteller Tahir Wattar
Von Mohammad Aburous

Am 12. August 2010 starb Tahir Wattar im 74. Lebensjahr. Er hat mehrere Romane verfasst, die als Vorbilder des sozialen Realismus in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden.

Wattar schloss sich 1956 der algerischen Revolution an und war Mitglied in der Nationalen Befreiungsfront (FLN), die ihn 1984 wegen der Veröffentlichung der kritischen Kurzgeschichte „Die Negerin und der Offizier“ in Frühpension schickte. In der FLN galt er als Kommunist und zählte zur linken Opposition. Als Algerien die Unabhängigkeit erlangte, gründete er mehrere linke Zeitschriften für Politik und Kultur, die sukzessive als „kommunistische Medien“ verboten wurden. Er opponierte gegen den Putsch von Houari Boumedienne, gegen Ahmad Ben Bella und trat für Demokratie ein.

Widerstand in kleinen Geschichten

intifada 32
Ein Interview mit der libanesischen Filmemacherin Arab Loutfi

Die libanesische Filmemacherin Arab Loutfi über die Lage der Palästinenser/innen im Libanon, die Aufgabe von Film und Erinnerungskultur.

intifada: Sie sind eine in Ägypten lebende libanesische Filmemacherin, die sich mit der Palästina-Frage beschäftigt. Welche Identität ist die Ihre?

Wachsender Widerstand

intifada 31
Die Ablehnung des Zionismus hat weltweit zugenommen
Von Jonas Hofer

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. Die zionistische Führung verhält sich immer rücksichtsloser – zugleich wächst in der arabischen Welt der Widerstand, international die Wut.

Ein kleiner Rückblick: Israel weigert sich Ende 2009, den gründlich recherchierten Goldstone-Bericht anzuerkennen, der Kriegsverbrechen während der „Operation Gegossenes Blei“, der Angriff der israelischen Armee gegen Gaza im Dezember 2008, dokumentiert. Beweise für israelische Kriegsverbrechen bleiben folgenlos. Dann wird bekannt, dass u. a. britische und australische Pässe vom Mossad gefälscht wurden, um in Dubai einen Hamas-Kommandeur zu ermorden. Die schamlos benutzten Staaten weisen Diplomaten aus und vergessen den Vorfall.

Trends im irakischen Chaos

intifada 31
Versuch einer Interpretation der jüngsten Wahlen zum Parlament
Von Mundher Al-Adhami

Wie sind die Ergebnisse der letzten Wahlen im Irak von einer Anti-Besatzungs-Perspektive aus zu interpretieren? Für die Antwort müssen mehrere Trends berücksichtigt werden.

Offensichtlich und allgegenwärtig ist die Vertiefung der politischen Fragmentierung und des Chaos’. Es hat keinen Sinn etwas anderes zu behaupten, obwohl die Hoffnung bleibt, dass wir nicht wieder in einer Periode konfessionell motivierter Gräueltaten wie in den Jahren 2006/7 versinken.

Archäologie im Nahost-Konflikt

intifada 31
Identitätsfindung und -erfindung zwischen Wissenschaft und Politik
Von Dieter Reinisch

In kaum einem anderen Land ist die wissenschaftliche Altertumsforschung den politisch-militärischen Expansionsbestrebungen derart untergeordnet wie in Israel.

Die Ausformung des Fachs der wissenschaftlichen Archäologie ging in Europa Hand in Hand mit ihrer Verwendung durch die Politik im 19. Jahrhundert. Wir können zwischen einer nationalen und einer nationalistischen Archäologie unterscheiden. Die nationale Archäologie erforscht ein bestimmtes Land, eine bestimmte Region. Die nationalistische Archäologie hat zusätzlich die politische Intention, die Ergebnisse zum Zwecke des nation-buildings zu verwenden. Im Gegensatz zur nationalen Archäologie geht ihre Arbeit und Intention über die eigentlichen (Staats-)Grenzen hinaus.

Einigung auf Nichteinigung

intifada 31
Im Sudan bestätigen die Wahlen die Spaltung des Landes
Von Mohammad Aburous

Der Sudan zählt zur „Achse des Bösen“. In westlichen Medien wird die Regierung verteufelt, es gibt kaum Analysen der tatsächlichen politischen Entwicklungen.

Während dieser Artikel geschrieben wird, dauert die vor Wochen begonnene Stimmenauszählung der sudanesischen Parlamentswahlen von Mitte April 2010 noch an. Die Ergebnisse der gleichzeitig stattfindenden Präsidentschaftswahlen überraschen kaum: In Abwesenheit eines ernstzunehmenden Gegenkandidaten wurde Präsident Omar Baschir mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Sein Partner Salvakiir im Süden des Landes gewann ebenfalls mit einer Mehrheit von 93 Prozent gegen das Bündnis der südlichen Opposition und wurde zum ersten Präsidenten des Südsudans gewählt.

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