Türkei

Schlag gegen Putschisten

intifada 32
Zum Ergebnis des Verfassungsreferendums in der Türkei
Von Wilhelm Langthaler

Auf den Tag genau dreißig Jahre nach dem Militärputsch setzte der türkische Premier Erdogan seine Volksabstimmung über Verfassungsänderungen an.

Mit einer Wahlbeteiligung von mehr als siebzig Prozent und knapp sechzig Prozent Ja-Stimmen wird der Ausgang des Urnengangs berechtigterweise als Erfolg der regierenden AKP gewertet. Sie konnte weit über ihre islamische Klientel hinaus liberale, linke und auch kurdische Kreise ansprechen. So beteiligte sich der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk an einer Plattform mit dem Namen „Nicht genug, aber Ja“. Man müsste den Putschisten einen Denkzettel verpassen, meinte er, ohne dabei jedoch die islamische Regierung zu unterstützen.

Höchstrichter und Generäle

intifada 32
Interview mit Ridvan Kaya von der islamischen „Özgür Der“

Ridvan Kaya ist führendes Mitglied der linksislamistischen Gruppierung „Özgür Der“ (Freier Gedanke) in der Türkei.

intifada: Was sagen Sie zum Ausgang des Referendums?

Ridvan Kaya: Wir sind mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Es ist ein deutlicher Schlag gegen die kemalistische bürokratische Oligarchie. Aber die Sache hat auch einen persönlichen Aspekt. Mein Name befand sich auf einer Liste der überführten Putschisten. Da kann ich nur jedes Interesse an der Unterminierung des Militarismus haben.

intifada: Welche realen Veränderungen wird das Ja bringen?

Das "Terrorproblem“ der Türkei

intifada 29
Amerikanische Seilschaften
Von Mustafa Ilhan

Ein 25-jähriger Krieg mit über 40.000 Toten - darunter die Morde an 17.000 kurdischen Oppositionellen in den Neunzigern - das ist die Geschichte der Türkei.

Nun lässt die AKP-Regierung mit sensationellen Reformen zugunsten der Kurden aufhorchen und gerät dabei in Konflikt mit der alten Oligarchie. Ist eine Lösung des historischen türkisch-kurdischen Konfliktes absehbar? Ist das im Rahmen der weiter bestehenden westlichen Hegemonie denkbar?

Ergenekon

Von Mustafa Ilhan

Ergenekon ist laut Anklageschrift der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft eine "terroristische Vereinigung“. Diese Organisation mit nationalistischem und faschistischem Hintergrund betätigt sich innerhalb der staatlichen Strukturen und insbesondere der Sicherheitskräfte des Landes. So wie diese Tendenz in den 1990er Jahren gegen die Linke und die kurdische Bewegung agierte, so richtet sie sich heute gegen islamische Einflüsse.

Inhalt abgleichen