intifada 34

Kein Frühlingserwachen

intifada 34
Die arabischen Volksaufstände und Palästina
Von Margarethe Berger

Seit Jahren stellt die Besetzung Palästinas ein zentrales Moment des Konfliktes zwischen dem arabischen Raum und dem Westen dar. Angesichts der Volksaufstände stellt sich die Frage, wie sich der palästinensische Kampf in diesem Kontext entwickelt.

Die unerwarteten und spontanen Erhebungen in Tunesien und Ägypten, später auch in anderen arabischen Ländern, führten in Palästina zunächst zu einer Aufbruchstimmung. Die Intifada selbst war an einem Tiefpunkt angelangt: Der Gazastreifen ist seit Jahren von der Außenwelt abgeriegelt. Die Westbank befindet sich unverändert unter israelischer Besatzung. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PNA) ist bereit, die Ziele eines jahrzehntelangen Befreiungskampfes aufzugeben und zur offenen Kollaboration mit Israel und den USA überzugehen.

Vor allem aber Gründlichkeit

intifada 34
Beobachtungen aus Palästina
Von Anna Maria Steiner

Der letzte Montag im August wird als bemerkenswerter Tag in meine persönliche Historie eingehen – als aufregend wie lehrreich in gleicher Weise. Denn meine Westbankreisegefährtin und ich durften in der besagten Nacht im Ramadan einige Stunden an einem Checkpoint zusehen und hautnah erleben, wie gründlich Israeli gegen Palästinenser vorgehen, und wie spontan zugleich…

02:25 Uhr: Unser Transport ist, wie befürchtet, pünktlich. Muawya, der Taxiunternehmer in meinem Alter, ist zu früher Stunde gnädig, will uns die nächtliche Fahrt so angenehm wie möglich machen und drückt den Knopf zu seiner Lieblingsmusik. Into My Arms von Nick Cave trägt uns förmlich durchs Dunkel der Nacht, das uns die Häuser, in denen die vom Fastenbrechen erschöpften Bewohner Tulkarms längst zur Ruhe gekommen sind, nur umrisshaft erkennen lässt.

Erdölreichtum und politische Armut

intifada 34
Saudi-Arabien im Kontext des arabischen Frühlings
Von Madawi Rashid

Saudi-Arabien gilt als reiche und stabile Monarchie. Diese scheinbare Stabilität beruht auf einer Flexibilität, die aus einer zirkulierenden Bewegung besteht und keine tatsächliche Veränderung zulässt.

In den 1960er- und 1970er-Jahren herrschten in Saudi-Arabien liberalere Verhältnisse als heute. Frauen etwa genossen mehr Freiheiten: Viele erhielten Stipendien und studierten im Westen. In den 1980er-Jahren gab das Regime dem Druck der religiösen Führer nach und stellte Auslandsstipendien für Frauen ein. Das Land wurde konservativer, bis sich das Regime nach dem 11. September 2001 wieder den Anstrich von Modernität geben wollte. Daraufhin war es für Frauen erneut möglich, das Land zu Studienzwecken zu verlassen.

Der Euro

intifada 34
Anatomie des Zerfalls
Von Stefan Hirsch

Ist der Euro am Ende? Neben der derzeit heiß diskutierten Euro-Krise, wird meist eine andere interessante Frage vergessen: Wer hat bislang vom Euro profitiert und wer bezahlt für dessen Probleme?

Nach der Einführung der Einheitswährung hat die deutsche Bourgeoisie und ihre Regierung mit gewaltigem Lohndruck und Sozialraub eine Hyperkonkurrenzfähigkeit der Exportindustrie erreicht (von 2001 bis 2006 ist die Summe aller Löhne und Gehälter in Deutschland inflationsbereinigt gefallen.); auch weil der Euro vor Aufwertung geschützt hat. Südeuropa, dessen Industriestruktur durch die Globalisierung ohnehin angegriffen war (deutsche Werkzeugmaschinen kann man nach China verkaufen, portugiesische Textilien weniger), konnte da nicht mithalten (auch weil der Euro Abwertungen verhindert hat).

Der Euro und die EU

intifada 34
Zur Politischen Ökonomie des Imperiums-Aufbaus
Von Albert F. Reiterer

Die EU ist ein Imperium, ein supra-nationaler bürokratischer Staat mit dem Ziel der Ein-Drittel-Gesellschaft. Das macht ein Blick auf ihre Geschichte deutlich.

Als Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, oft auch Montanunion genannt, (EGKS) (1951) und Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) (1957/58) entstand sie als regionaler superimperialistischer Pol zur Abwehr des damals für viele attraktiven Sowjetkommunismus. Nebenzweck war die Zähmung des deutschen Imperialismus. Die Politiker waren stärker am außenpolitischen-militärischen Aspekt interessiert. Die Zollunion war für sie ein Substitut – nicht unwichtig, aber nicht prioritär.

Die Salafisten im revolutionären Ägypten

intifada 34
Eine Analyse des islamistischen Lagers
Von Muna El Shorbagi und Essam Fawzi

Wer sind eigentlich die radikalen Islamisten und welche Rolle spielen sie insbesondere in der ägyptischen Demokratiebewegung?

1. Januar: Bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche werden insgesamt 21 Menschen getötet und 79 verletzt. Ägypten ist im Schockzustand. Der Anschlag wird wechselweise Al Qaeda, einer palästinensischen Organisation und ägyptischen Salafisten zugeschrieben.

„Die arabischen Revolutionen sind mir eine Bestätigung“

intifada 34
Heiny Srour im Gespräch

Die Regisseurin Heiny Srour wurde 1945 im Libanon geboren. Sie schloss sich der libanesischen Linken und der palästinensischen Befreiungsbewegung an. Im März 2011 besuchte sie Österreich, wo sie ihren Film „Stunde der Befreiung“ präsentierte.

intifada: Welche Erfahrungen haben Sie als Filmschaffende gemacht, und könnten Sie etwas zur Entstehung Ihres Films „Stunde der Befreiung“ sagen?

Der Dschinn ist los

intifada 34

Der ägyptische Autor und Journalist Chalid al-Chamissi über den Anteil ägyptischer Kunstschaffender an der Revolution, die Gefahren religiös motivierter Politik und die neu erlangte Freiheit.

intifada: Herr Chamissi, Sie sind Roman- und Drehbuchautor und Journalist. Welche Rolle spielen Literaten wie Sie in Ägypten vor und nach dem 25. Jänner?

Footnotes in Gaza

intifada 34
Von Tamara Rennein

Anhand seines jüngsten Comics veranschaulicht der Graphic-Novelist Joe Sacco, dass die vermeintlich unscheinbaren Fußnoten der Geschichte die Gegenwart oft maßgeblich mitbestimmen.

Nach seinen bereits 1993 veröffentlichten Einzelcomics und darauf folgenden Graphic-Novels über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien kehrt Joe Sacco mit seinem jüngsten Comic thematisch wieder zurück nach Palästina. Während jedoch Palestine, Saccos erster Nahost-Band, einen umfassenden Überblick zu Entstehung und Fortgang des Konflikts bietet, legt der Comiczeichner in Footnotes in Gaza verstärkt Augenmerk auf die unscheinbaren Begebenheiten im Alltag der in Gaza lebenden palästinensischen Bevölkerung.

Inhalt abgleichen