Langthaler Wilhelm

Nation als Einbildung?

intifada 28
Ein Einspruch
Von Wilhelm Langthaler

In der Ausgabe Nr. 27 der Intifada zieht Bruno Bullock eine gerade, ja zu gerade Linie zwischen Islamophobie und Nationalismus, die riskiert, den Blick auf das Besondere der aktuellen Islamfeindlichkeit zu verstellen.

Der Nationalstaat ist eine 'imagined community', eine gedachte Gemeinschaft, und diente der kapitalistischen Elite, die eigenen Interessen dem Proletariat gegenüber als gemeinsame zu verkaufen.“ Das ist nicht falsch, gilt aber letztlich für jede Gemeinschaft – ob der Stamm, die Christenheit, das Proletariat, die Nation oder die Umma. Alle diese Gemeinschaften sind in einem gewissen Sinn "eingebildet" oder anders gesagt, müssen sich subjektiv konstituieren.

Ein Schritt zur Demokratie?

intifada 28
Versuch der Deutung der irakischen Provinzwahlen
Von Wilhelm Langthaler

"Die Provinzwahlen vom 31. Januar sinnvoll zu interpretieren" schreibt der ehemalige CIA-Agent Reuel Marc Gerecht im Zentralorgan der Neokonservativen, dem Weekly Standard, "ist nicht einfach". Wie Recht er hat.

"Es ist aber sicher wahr, dass sie einen enormen Erfolg für den Irak und für die USA bedeuten." Gerecht hält ostentativ am unpopulär gewordenen neokonservativen Ideologem, nach dem die USA die Demokratie mit Waffengewalt exportieren müssten, fest. Das mag Propaganda sein, doch die vergangenen Wahlen scheinen ihm auf den ersten Blick Recht zu geben. Ein zweiter Blick lohnt sich daher.

Im Angesicht der Krise

intifada 28
Achsen für das Projekt einer antikapitalistischen Opposition
Von Wilhelm Langthaler

Der kapitalistische Rausch – genannt Neoliberalismus – ist jäh zu Ende gegangen. Ganz unvermittelt ist das System in seine tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt.

Die Antwort der "Ent-Täuschten" auf diese tiefgreifende Krise mag auf sich warten lassen. Kommen wird sie indes auf jeden Fall. Erste Vorboten zeigen sich schon in den gegenwärtigen Entwicklungen, wie der griechischen Revolte oder der Gründung der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich. Das Laboratorium für die Herausbildung einer antikapitalistische Opposition ist also eröffnet. Es wird Zeit, dass wir auch in Österreich initiativ werden. Denn auch andere scharren schon in den Startlöchern, wie der Aufstieg des ungarischen Nationalismus zeigt.

War der "Surge" erfolgreich?

intifada 26
Die Neutralisierung des sunnitischen Widerstands
Von Wilhelm Langthaler

Washington feiert den Erfolg seiner temporären Truppenaufstockung im Irak, genannt "surge". Der starke Rückgang der militärischen Aktivitäten gegen die US-Truppen sowie die danach erfolgte leichte Reduzierung der Truppenbestände kann jedenfalls nicht geleugnet werden. Die Akkordierung eines Teilrückzugs steht in Aussicht. Nun gelte es noch, dem schiitischen Störenfried Muqtada as Sadr die Flügel zu stutzen und damit auch dem iranischen Erzfeind Einhalt zu gebieten. Und schwups wäre das Fiasko "regime change" zur Erfolgsgeschichte verwandelt.

Die wirklich neue Entwicklung des letzten Jahres ist die strategische Niederlage Al Qaidas. Diese kann nicht in erster Linie mit dem militärischen Druck der USA erklärt werden. Sie hängt mit der grundlegenden politischen Unfähigkeit des Salafismus zusammen, Konsens und Hegemonie zu schaffen.

Das große Warten auf den Krieg

intifada 26
Konfessionalismus und antiimperialistischer Widerstand im Libanon
Von Wilhelm Langthaler

Der Libanon ist einer der Brennpunkte des antiimperialistischen Widerstands. Vor zwei Jahren gelang es der Hizbullah in sensationeller Weise, den israelischen Angriff zu parieren. In der Folge forderte die Koalition des Widerstands angesichts ihres gewachsenen politischen Gewichts die Beteiligung an der Macht. Doch die prowestliche Regierung weigerte sich starrköpfig. Erst durch eine überwältigende militärische Machtdemonstration der Hizbullah in Beirut im Frühjahr 2008 konnte die Konfrontation zugunsten der Opposition gelöst werden.

Nach dem Gefangenenaustausch mit Israel im Sommer scheint die Hizbullah vorläufig an einem neuen Höhepunkt ihrer Machtentfaltung angelangt zu sein. Doch den proimperialistischen Kräften im Land eine entscheidende Niederlage zufügen, scheitert indes am Konfessionalismus und am regionalen Kräftegleichgewicht. Alles wartet auf das Showdown zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen.

Abwehr des israelischen Angriffs

Kontrapunkt Russland?

intifada 27
Oligarchen-Kapitalismus in Bedräng
Von Wilhelm Langthaler

Russlands militärisches Eingreifen gegen die NATO-Bestrebungen Georgiens zeitigt Wirkung. Auf dem letzten Treffen der NATO im Dezember 2008 wurde die Osterweiterung praktisch ausgesetzt. Doch gerade im Augenblick dieses Erfolges schlägt die globale kapitalistische Krise zu und trifft besonders Russland hart.

Der Waffengang zwischen Moskau und Tiflis im August 2008 zeigte bedeutende Verschiebungen der internationalen Kräfteverhältnisse an. Russland demonstrierte Muskeln und sendete mit der Intention eine unmissverständliche Warnung an Washington: Gegen den weiteren Vormarsch der NATO nach Osten, insbesondere in der Ukraine, werde man zu reagieren wissen, notfalls auch militärisch.

Die Lüge von der israelischen Selbstverteidigung

intifada 27
Strategische Ziele der israelischen Aggression
Von Wilhelm Langthaler

Zu aller erst führt Israel einen gezielten Medienkrieg. Die Quintessenz ihrer Position lautet, dass sie sich gegen die Angriffe der Hamas verteidigen würden. Die westliche Medienmaschine transportiert die Substanz dieser Nachricht, auch wenn das palästinensische Leid in pseudoobjektiver Weise durchaus ebenfalls vorgeführt wird.

Die Schuld bleibt dennoch letztlich immer bei den Palästinensern. Diese Darstellung wird von den westlichen Staatskanzleien sekundiert und zwar nicht nur in Washington, sondern auch in Europa.

Katharsis

intifada 27
Die Krise als Chance
Von Wilhelm Langthaler

Über Jahrzehnte erklärten uns die Prediger des Marktes, dass das Eingreifen des Staates dem Gemeinwohl abträglich sei. Nun holen sie sich von demselben Staat Milliarden – selbstverständlich abermals im Dienste der Allgemeinheit.

Tatsächlich ist es schlüssig, dass die Krise des Kapitalismus nur durch massive staatliche Unterstützung des Kapitals überwunden werden kann. Selbst die historische Linke ist daher geneigt, angesichts des zu erwartenden sozialen Niedergangs der Subalternen, den Krisenpaketen mehr oder weniger zähneknirschend zuzustimmen. Gibt es denn wirklich keine Alternative?

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