Aburous Mohammad

Ein Verlust für die arabische Kultur

intifada 32
Ein Nachruf auf den algerischen Schriftsteller Tahir Wattar
Von Mohammad Aburous

Am 12. August 2010 starb Tahir Wattar im 74. Lebensjahr. Er hat mehrere Romane verfasst, die als Vorbilder des sozialen Realismus in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden.

Wattar schloss sich 1956 der algerischen Revolution an und war Mitglied in der Nationalen Befreiungsfront (FLN), die ihn 1984 wegen der Veröffentlichung der kritischen Kurzgeschichte „Die Negerin und der Offizier“ in Frühpension schickte. In der FLN galt er als Kommunist und zählte zur linken Opposition. Als Algerien die Unabhängigkeit erlangte, gründete er mehrere linke Zeitschriften für Politik und Kultur, die sukzessive als „kommunistische Medien“ verboten wurden. Er opponierte gegen den Putsch von Houari Boumedienne, gegen Ahmad Ben Bella und trat für Demokratie ein.

Einigung auf Nichteinigung

intifada 31
Im Sudan bestätigen die Wahlen die Spaltung des Landes
Von Mohammad Aburous

Der Sudan zählt zur „Achse des Bösen“. In westlichen Medien wird die Regierung verteufelt, es gibt kaum Analysen der tatsächlichen politischen Entwicklungen.

Während dieser Artikel geschrieben wird, dauert die vor Wochen begonnene Stimmenauszählung der sudanesischen Parlamentswahlen von Mitte April 2010 noch an. Die Ergebnisse der gleichzeitig stattfindenden Präsidentschaftswahlen überraschen kaum: In Abwesenheit eines ernstzunehmenden Gegenkandidaten wurde Präsident Omar Baschir mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Sein Partner Salvakiir im Süden des Landes gewann ebenfalls mit einer Mehrheit von 93 Prozent gegen das Bündnis der südlichen Opposition und wurde zum ersten Präsidenten des Südsudans gewählt.

SUMUD kehrt zurück

intifada 31
Solidarität ist kreativ, konstruktiv und politisch
Von Mohammad Aburous

Im August 2009 besuchte eine internationale Jugendbrigade das palästinensische Flüchtlingslager Ein El-Hilweh. Im Sommer 2010 wird die Solidaritätsarbeit fortgesetzt.

Der Einsatz vor einem Jahr war Teil des gemeinsamen Projektes der europäischen Freiwilligenorganisation SUMUD (arabisch für „Standhaftigkeit“) mit der palästinensisch-libanesischen Organisation Nashet. Junge Palästinenser/innen und Europäer/innen renovierten gemeinsam ein Gebäude, das im Zuge der aufeinanderfolgenden Belagerungen und Bombardierungen des Lagers zerstört worden war.

Zwischenunternehmen für Obama

intifada 30
Jemens Regime kämpft an drei Fronten
Von Mohammad Aburous

Seit Dezember 2009 beteiligt sich die USA direkt an den Kämpfen im Jemen. Die US-Luftwaffe unterstützt das jemenitische Regime im Kampf gegen Al Qaida.

Die derzeitige Eskalation im Jemen ist die größte seit dem „Separationskrieg“ von 1994. Im Unterschied zu damals kämpft jedoch das Regime gleichzeitig gegen alle Oppositionskräfte im Land. Die Regierung Saleh befindet sich seit Sommer 2009 in einem Krieg mit den schiitischen Houthi-Milizen im Norden, an dem sich seit November auch Saudi Arabien beteiligt. Die Eskalation der massiven Protestbewegung der Opposition im Süden, geführt von der ehemaligen Regierungspartei des sozialistischen Südjemen, brachte das Regime Salehs in Bedrängnis.

Zwischen Hammer und Amboss

intifada 30
Ägypten vervollständigt die Gaza-Blockade
Von Mohammad Aburous

Der Würgegriff um den belagerten Küstenstreifen wird noch enger: Ägyptens Politik nahm Ende 2009 mit der direkten Blockade von Hilfslieferungen eine qualitative Wende.

Die von Israel verhängte Blockade hat bisher etwa fünfhundert Menschen das Leben gekostet, die in direktem Zusammenhang mit dem Mangel an medizinischer Versorgung starben. Der Gazastreifen liegt großteils noch in Trümmern, weil Israel unter anderem die Zufuhr von Baumaterialien verhindert. Die lebenswichtigsten Materialien erreichen Gaza über Tunnel, die unter der ägyptischen Grenze verlaufen. Nun will Ägypten eine Stahlmauer entlang der Grenzen mit dem Gazastreifen bauen, die tief in den Boden hineinreicht, um die Untertunnelung zu verhindern.

Die inner-palästinensische Versöhnung

Psychiatrie in Bethlehem, Wahnsinn in Gaza

intifada 29
Über die Orientierungslosigkeit der palästinensischen Befreiungsbewegung
Von Mohammad Aburous

Im August vereitelte die Hamas den Versuch der Salafiten, das "Islamischer Emirat Gaza" zu erichten. Fast zur selben Zeit hielt im Westjordanland Fatah ihren sechsten Parteikongress ab.

Der Name Bethlehem hängt in Palästina nicht nur mit dem Geburtsort von Jesus zusammen, sondern auch mit Psychiatrie, denn in dieser Stadt befindet sich das einzige psychiatrische Krankenhaus im Westjordanland. In der Volkssprache wird über einen Psychiatriereifen gesagt: Ab nach Bethlehem!

1. Der Fatah-Kongress

Schwedischer Antisemitismus?

intifada 29
Die Debatte über den Organhandel Israels
Von Mohammad Aburous

In einer schwedischer Zeitung erschien ein Bericht über Organhandel mit palästinensischen Leichen. Israel zog ein altbekanntes Register: den Antisemitismusvorwurf.

Die Reaktion der israelischen Regierung auf den schwedischen Zeitungsbericht über Organhandel (1) ähnelt in ihrem karikaturistischen Ausmaß der Reaktion einiger islamischer Länder auf die geschmacklosen dänischen Karikaturen. So eine Reaktion war zu erwarten von einer Besatzungsmacht, die seit Jahren ungestraft für mehrere Kriege und Menschenrechtsverletzungen in der Region verantwortlich ist. Der Antisemitismusvorwurf ist hier eine Farce.

Anything new, Mr. President?

intifada 29
Zu Obamas Außenpolitik
Von Mohammad Aburous

Der US-Präsident zog in den Wahlkampf mit dem Versprechen eines grundlegenden Wandels. Doch kann er tatsächlich eine politische Veränderung herbeiführen?

Vor einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Diskurs des neuen amerikanischen Präsidenten muss festgestellt werden, dass die acht langen Jahre seines Vorgängers George W. Bush dafür sorgten, dass schon der Abgang von Bush als Person an der Spitze der US-Politik von vielen als eine historische Wende angesehen wurde. Da musste Obama nicht viel dazu tun. Er übernahm seine Funktion jedoch im Zeichen einer Weltwirtschaftskrise, mitten in zwei angefangenen und nicht beendeten Kriegen und im Schatten einer zu unterschiedlichen Graden vertieften Feindschaft der USA mit dem Rest der Welt.

Unbeendeter Krieg, unvollkommener Sieg

intifada 28
Eine Bilanz des Massakers
Von Mohammad Aburous

Wie erwartet, artete die israelische Offensive im Gazastreifen in einem Massaker an der Zivilbevölkerung mit 1.300 Toten sowie in einer sinnlosen Zerstörung von über 14.000 Wohneinheiten aus.

Israel stellte plötzlich den offiziellen Angriff ein, und die palästinensischen Organisationen verkündeten aus Damaskus eine "einwöchige Einstellung der militärischen Aktionen". Beide Seiten gaben sich daheim als Sieger: Die israelische Regierung definiert ihren Sieg über die angeblichen Tötungen von vielen Hamas-Aktivisten und über die tatsächliche Einstellung des Raketenbeschusses aus Gaza. Hamas sieht ihren Sieg im Standhalten der Widerstandskräfte gegen einen wuchtigen israelischen Angriff. Die Regierung von Hamas konnte nicht gestürzt werden.

Das Ende der letzten Metapher

intifada 26
Zum Tad des Dichters Mahmoud Darwish
Von Mohammad Aburous

Am 9. August 2008 starb der palästinensische Dichter Mahmoud Darwish bei einer Herzoperation. Poltisch sehr umstritten, poetisch einer der höchstrangigen modernen arabischen Dichter, ist mit seinem Tod eine Symbolfigur der arabischen, aber vor allem der palästinensischen Kulturbewegung von uns gegangen.

Geboren im Jahr 1941 in Barwe, in Nordpalästina, erlebte Darwish als Kind die Nakba von 1948, wo bei der Gründung des Zionistenstaates eine Million Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Seine Familie floh in den Libanon, kehrte aber sogleich über Schleichwege nach Palästina zurück. Das zerstörte Dorf Barwe durfte nicht wiederaufgebaut werden und Darwish wuchs als "Flüchtling im eigenen Land" auf.

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